Ob bei bayrischen Bettelhochzeiten ein Paar auf dem Misthaufen vermählt wird, ob im niedersächsischen Ganderkesee Zehntausende in ein Örtchen einfallen oder in Bonn selbst die Mitarbeiter einer Burger-Kette verkleidet sind: An Karneval, resp. Fasching, steht die Welt Kopf. Das Fest hat einen religiösen Hintergrund: Es bezieht sich auf Ostern und hängt mit der 40-tägigen Fastenzeit zusammen, die mit dem Aschermittwoch anbricht.
In den sechs Tagen davor wird die göttliche Ordnung nach katholischer Anschauung ad absurdum geführt, die Menschen gehen den weltlichen Ausschweifungen hemmungslos nach – insbesondere dem Alkoholkonsum. In Köln wird auch mit den Geschlechterrollen “op janz kölsche Aat jespielt”, weiß der Kulturwissenschaftler Johannes Arens.
Bringt Kultur Wirtschaft hervor oder Wirtschaft Kultur? Wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei ist auch diese nicht eindeutig zu beantworten. Sicher ist jedoch, dass überall, wo Menschen zusammen leben, sie durch ihr Handeln Werte schaffen – immaterielle Werte wie Bräuche oder Gesetze, aber auch materielle Werte wie Lebensmittel und Kleidung.
Auf welchem Weg Gesellschaften diese (materiellen) Werte schaffen ist Diskussionssache, also ein Austarieren unterschiedlicher Meinungen. Um 1800 entschieden sich immer mehr Menschen, Arbeit zu rationalisieren, die Produktion in einzelne Schritte zu zerlegen und auf diesem Weg mehr Güter herzustellen: Die Industrialisierung kam in Gang.
Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Bonn hat untersucht, wie sich diese wirtschaftliche Umwälzung auf das Trinkverhalten der Menschen ausgewirkt hat – also auf Kultur, die ihrerseits mit der Aufklärung den geistesgeschichtlichen Grundstein für die Industrialisierung gelegt hat.
Es heißt, sie bringe viel Gutes, aber in ihrer Nähe schläft es sich schlecht. “Tickticktick” macht sie unaufhörlich, jedoch ist sie keine mechanische Uhr. Sie winkt zum Gruß und ist doch nicht der Grüßaugustus. Und obendrein ist sie ziemlich neu in unserem Kulturkreis.
Manekineko stammt aus Japan. Die Figur einer pummeligen Katze sitzt aufrecht auf den Hinterbeinen, hält in der einen Pfote eine Münze vor dem Bauch und winkt mit der anderen Tatze, die sie erhoben hat, dem Betrachter zu. Der Arm wird von einem Motor angetrieben, der das Ticken aus dem Innnern des Kunststoff- oder Porzellankörpers von sich gibt.
Wer ist Manekineko und was führt sie in europäische Schaufenster und Wohnzimmer?
Grenzen trennen nicht nur, sie können auch eine Wirtschaftsgrundlage sein. So ist das an der polnischen Grenze zur russischen Enklave Kalinigrad. Auf der russischen Seite sind Zigaretten billiger als auf der polnischen, und manche Kippe findet den Weg bis nach Deutschland. Hierzulande wird der Schmuggel so gut es geht bekämpft. An der Grenze bei Kalinigrad hingegen haben sich Zöllner und Schmuggler miteinander arrangiert. Man kennt einander einfach zu gut.
Mathias Wagner vom Institut für Weltgesellschaft der Universität Bielefeld hat an den drei Grenzstationen Feldforschung betrieben. Er hat das System der Verhaltenscodes am Schlagbaum beobachtet. Sein Fazit: Alles Theater.
Wandern ist in, um genau zu sein: Wandern als Vehikel zur Sinnsuche ist in. Hape Kerkelings Jakobsweg-Tagebuch „Ich bin dann mal weg“ verkauft sich noch immer stapelweise. Schon einmal, vor einhundert Jahren, war die Begeisterung für diese Art der Selbsterfahrung ähnlich groß.
Zu der Zeit hatte ein Lehrer aus dem Sauerland die Idee, ein Netzwerk von Jugendherbergen aufzubauen. Richard Schirrmann war damit im August 1909 am Puls seiner Zeit – und sog eine Subkultur auf.
365.000 Besucher in fünf Monaten sind für eine bayerische Landesausstellung eine Menge Holz: Das Thema “Wiederaufbau und Wirtschaftswunder” hatte die Menschen in die Würzburger Residenz gelockt.
Beim Veranstalter, dem Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG), führt man den Erfolg der Schau freimütig darauf zurück, dass das Ticket kombiniert war mit dem Eintritt zur atemberaubenden Residenz, die alleine bereits pro Jahr 200.000 Menschen anzieht. Davon habe die Landesausstellung profitiert. Das hat aber nur einen Teil des Erfolgs ausgemacht.
Mahmoud Dabdoubs Bilder zeigen die weite Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der DDR: Da wird eine Schafherde durch die Häuserschluchten Leipzigs getrieben – und das in den 1980er Jahren -, auf einem Werbeschild wird der Begriff “Stabilität” mit “Dynamik” vermählt, und bei einer Handelsmesse bestaunen die Besucher einen Stand voller Bananen, jener gelben Frucht, nach der sich eine ganze Nation verzehrte.
Der Mensch war schon immer mobil: Als Jäger und Sammler durchstreifte er die Natur auf der Suche nach Nahrung. Er brach auf zu Seereisen, um seinen Horizont zu erweitern, und das in mehrfacher Hinsicht: Denn in der Ferne fand sich nicht nur neues Land (etwa für die Europäer in Amerika), sondern auch neue Gesellschaften und damit Kulturen.
Ja, unsere Vorfahren waren schon mobil. Aber hatten sie auch Bewegungsfreiheit in ihren Gesellschaften? Und welchen Spielraum haben Menschen im Zeitalter der Mobilität? Silke Göttsch-Elten vom Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Universität Kiel hat beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 2009 das Themenfeld umrissen.
Sie leben mitunter seit Jahren im Ausland und sind dort für Unternehmen tätig. Doch so richtig kommen sie meistens in der Kultur des Gastlandes nicht an. Die deutsche Heimat bleibt der Ort der Sehnsucht, China oder Brazilien fremd und mitunter bedrohlich.
Florian von Dobeneck und Sabine Zinn-Thomas vom Institut für Volkskunde an der Universität Freiburg haben die Lebenswelt ausgesandter Mitarbeiter in Sao Paulo und Shanghai untersucht. Das Interview ist im Rahmen der Tagung www.europa-in-bewegung.de entstanden.
Der Gambrinus-Bierkeller in Unterhaid. Foto: Eberhard Lantz
Der Herbst kommt, die Biergartenzeit neigt sich dem Ende entgegen. Als Fanal wird am Samstag das Münchner Oktoberfest eröffnet. In Franken endet nun auch die Saison einer besonderen Art des Bierausschanks.
Wenn man dorthin geht, geht man „auf den Keller“. Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist Experte für Bierkeller. Und damit meint er nicht miefige Souterrain-Kneipen.