Beobachtungen der Gegenwartskultur und Kulturgeschichte von Markus Thierbach: “Der Mensch ist die Story”
27.Apr.2010

Pfälzische Sprachinsel am Niederrhein

Mein Text, auf dem der Vortrag bei der NerdNite vom 27. April 2010 in München basierte, gibt es hier.

Weitere Hörbeispiele: http://is.gd/bIQ7o
Forschungsbericht eines Sprachwissenschaftlers: http://is.gd/bIQtr
Bibliographie zum Thema Pfälzer/Emigration: http://is.gd/bIR8e

21.Apr.2010

Liebesschlösser werden immer populärer

Liebe pur: Eines der Schlösser am Tetraeder in Bottrop. Bild: Rheinisches Volkskundearchiv des LVR/Mirko Uhlig

Liebe pur: Eines der Schlösser am Tetraeder in Bottrop. Bild: Rheinisches Volkskundearchiv des LVR/Mirko Uhlig

Um das Phänomen der Liebesschlösser ging es hier bereits einmal. Dabei bringen Paare, Freunde und Bekannte Vorhängeschlösser an der Kölner Hohenzollernbrücke an, um einander und der anonyme Öffentlichkeit ihre Verbundenheit zu demonstrieren.

Die Brücke selbst bot bislang den Forschern Ansatzpunkte zur Interpretation: Die Flussquerung als Allegorie der Verbindung, des Übergangs von einem Kapitel zum nächsten im Strom des Lebens, also vom Junggesellendasein zur mehr oder weniger festen Beziehung.

Doch nun finden sich auch Liebesschlösser an Bauwerken, die alles andere als Brücken sind. Mein Update lässt sich bei den Stuttgarter Nachrichten nachlesen, aber auch hier.

13.Apr.2010

Das Web 2.0 hieß früher nur anders

Frauen, die Kochrezepte in Blogs veröffentlichen, Musiker, die über Youtube populär werden und Interessensgruppen, die sich über Facebook organisieren: Das Web 2.0 gleicht für die Menschen, die sich nicht in diesem Medium bewegen, einer Wundertüte. Sie tragen das, was sie aus diesem Bereich erfahren, mit dem Unterton “Seht her!” vor. Der Wechsel des Mediums, von der Wirklichkeit zur virtuellen Realität, ist irgendwie hokuspokus-behaftet, sorgt für Irritation und Erstaunen.

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26.Mrz.2010

Kritik der reinen Wurst

Zur Feier der allseits beliebten Currywurst gibt es bei Facebook mittlerweile einige Gruppen und Fanseiten, etwa hier, hier und hier. Dort finden sich nicht nur Diskussionen um die Frage, wo es die beste Wurst gibt. Hier werden auch witzige Videos eingestellt, die irgendwas mit Wurst zu tun haben.

Schon ein Phänomen für sich: Was ist eigentlich dran an der Wurst, dass Leute sie so lustig finden? Denn Heiterkeit ist garantiert, kombiniert man das Wort “Wurst” mit völlig wurst-fernen Zusammenhängen. Die Überschrift stellt also einen Versuch zur Unterhaltung dar…

Anbei aber das Protokoll eines Wortwechsels bei Facebook. Wurst ist eben Anschauungssache (zweiter Versuch). Ein schöner Streit! Mit MfG an Frank Abel.

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08.Jan.2010

Ökonomie als Kulturtreiber

Bringt Kultur Wirtschaft hervor oder Wirtschaft Kultur? Wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei ist auch diese nicht eindeutig zu beantworten. Sicher ist jedoch, dass überall, wo Menschen zusammen leben, sie durch ihr Handeln Werte schaffen – immaterielle Werte wie Bräuche oder Gesetze, aber auch materielle Werte wie Lebensmittel und Kleidung.

Auf welchem Weg Gesellschaften diese (materiellen) Werte schaffen ist Diskussionssache, also ein Austarieren unterschiedlicher Meinungen. Um 1800 entschieden sich immer mehr Menschen, Arbeit zu rationalisieren, die Produktion in einzelne Schritte zu zerlegen und auf diesem Weg mehr Güter herzustellen: Die Industrialisierung kam in Gang.

Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Bonn hat untersucht, wie sich diese wirtschaftliche Umwälzung auf das Trinkverhalten der Menschen ausgewirkt hat – also auf Kultur, die ihrerseits mit der Aufklärung den geistesgeschichtlichen Grundstein für die Industrialisierung gelegt hat.

15.Dez.2009

Eingewanderter, endlos winkender Glücksspender

Manekineko Foto: Mädchenkrawall/flickr

Manekineko. Foto: Mädchenkrawall/flickr

Es heißt, sie bringe viel Gutes, aber in ihrer Nähe schläft es sich schlecht. “Tickticktick” macht sie unaufhörlich, jedoch ist sie keine mechanische Uhr. Sie winkt zum Gruß und ist doch nicht der Grüßaugustus. Und obendrein ist sie ziemlich neu in unserem Kulturkreis.

Manekineko stammt aus Japan. Die Figur einer pummeligen Katze sitzt aufrecht auf den Hinterbeinen, hält in der einen Pfote eine Münze vor dem Bauch und winkt mit der anderen Tatze, die sie erhoben hat, dem Betrachter zu. Der Arm wird von einem Motor angetrieben, der das Ticken aus dem Innnern des Kunststoff- oder Porzellankörpers von sich gibt.

Wer ist Manekineko und was führt sie in europäische Schaufenster und Wohnzimmer?

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12.Okt.2009

Erfolg sonder Gleichen: Die bayerische Landesausstellung kam zur rechten Zeit

Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

365.000 Besucher in fünf Monaten sind für eine bayerische Landesausstellung eine Menge Holz: Das Thema “Wiederaufbau und Wirtschaftswunder” hatte die Menschen in die Würzburger Residenz gelockt.

Beim Veranstalter, dem Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG), führt man den Erfolg der Schau freimütig darauf zurück, dass das Ticket kombiniert war mit dem Eintritt zur atemberaubenden Residenz, die alleine  bereits pro Jahr 200.000 Menschen anzieht. Davon habe die Landesausstellung profitiert. Das hat aber nur einen Teil des Erfolgs ausgemacht.

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09.Okt.2009

Ausstellung: Alltag in der DDR – Fotografien aus den 1980er Jahren

Foto: Mahmoud Dabdoubs

Foto: Mahmoud Dabdoub

Mahmoud Dabdoubs Bilder zeigen die weite Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der DDR: Da wird eine Schafherde durch die Häuserschluchten Leipzigs getrieben – und das in den 1980er Jahren -, auf einem Werbeschild wird der Begriff “Stabilität” mit “Dynamik” vermählt, und bei einer Handelsmesse bestaunen die Besucher einen Stand voller Bananen, jener gelben Frucht, nach der sich eine ganze Nation verzehrte.

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17.Sep.2009

„Der Bierkeller nimmt die Demokratisierung des öffentlichen Raums vorweg“

Der Gambrinus-Bierkeller in Unterhaid. Foto: Eberhard Lantz

Der Gambrinus-Bierkeller in Unterhaid. Foto: Eberhard Lantz

Der Herbst kommt, die Biergartenzeit neigt sich dem Ende entgegen. Als Fanal wird am Samstag das Münchner Oktoberfest eröffnet. In Franken endet nun auch die Saison einer besonderen Art des Bierausschanks.

Wenn man dorthin geht, geht man „auf den Keller“. Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist Experte für Bierkeller. Und damit meint er nicht miefige Souterrain-Kneipen.

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31.Aug.2009

Warum wir Currywurst essen und Analogkäse verschmähen

Die Imbissbude "Fritz Mitte" in Jena. Foto: Thierbach

Die Imbissbude "Fritz Mitte" in Jena. Foto: Thierbach

Analog-Käse, Pseudo-Wasabi, Mogel-Schinken: Nein, das wollen die Deutschen nicht auf ihren Tellern finden. Somit war die Empörung groß, als die Verbraucherzentrale Hamburg darüber informierte, was sich an Zutaten in manchen Lebensmitteln befinden.

Dabei ist es nicht neu Stoffe zu verwenden, die im ursprünglichen Zustand niemand essen würde. Etwa in der Currywurst.

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