Beobachtungen der Gegenwartskultur und Kulturgeschichte von Markus Thierbach: “Der Mensch ist die Story”
11.Jul.2009

Guter Überblick, wenig Neues: Der Katalog zur Ausstellung “Liebe, Lust & Frust”

Eine ganz besondere Würz-Melange

Foto: Wolfgang Fuhrmannek/Hessisches Landesmuseum

Was gibt es Neues zu zeigen aus dem Themenspektrum Sexualität, Liebe, Partnerschaft? Hinlänglich bekannt sind eiserne Keuschheitsgürtel, die Antibabypille sowie erotisch-ironischer Nippes wie jene barbusige Dame, deren Busen als Salz- und Pfefferstreuer dienen.

Sie illustrieren das Verhältnis unserer westeuropäischen Gesellschaft zum Thema zu unterschiedlichen Zeiten: Die kollektive Obsession, Sexualität zu unterdrücken im 17. Jahrhundert. Die Befreiung der Frau von der Angst vor ungewollter Schwangerschaft ab den 1960er Jahren. Die gegenwärtige Omnipräsenz sexueller Darstellungen. Die Pfunde des Katalogs zur Ausstellung “Liebe, Frust & Lust”, die bis zum 30. August 2009 in der Volkskundlichen Sammlung Lorsch zwischen Darmstadt und Mannheim zu sehen ist, liegen an anderen Stellen.

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07.Mai.2009

“Die Bude”: Bilder von Konsumtempelchen und regionaler Identität

Die Bude

Foto: Verlag

In Städten wie München oder Kassel ist das Prinzip Kiosk bislang nicht verstanden worden. Die wenigen Mini-Lädchen, die es dort gibt, haben nur tagsüber geöffnet. Dabei dürfte in diesen Großstädten die kritische Masse derer groß genug sein, die außerhalb der Supermarkt-Öffnungszeiten noch dringend etwas einkaufen müssen: Zigaretten, Chips und Bier etwa.

Ganz vorne in Sachen Kiosk hingegen sind andere Ballungszentren wie das Ruhrgebiet und Berlin. Man könnte denken, dass die Menschen dort besonders vergesslich sind. Die Soziologin Elisabeth Naumann hingegen hat die kulturgeschichtlichen Hintergründe für die hohe Buden-Dichte an Ruhr und Spree beleuchtet.

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27.Apr.2009

Das Zeitalter der Künstlichkeit: „Als der Champagner floss“ zeigt die Kultur der 1980er Jahre

Foto: Verlag

Den Zeitgeist aus der Gegenwart heraus zu entziffern ist ein äußerst schwieriges Vorhaben. Es scheitert meistens an der Fülle der Ereignisse und Moden, der Themen und ihren Diskussionen, die die Wahrnehmung dafür vernebeln, was die Trends einer Epoche eigentlich gemeinsam haben. Denn der Zeitgeist ist zwar immer da, wird aber erst in der Rückschau richtig greifbar: Die Eindrücke haben sich gesetzt, die Vielfalt einer Zeit ist nicht mehr ganz so unüberschaubar.

So entstehen Klischees, Schablonen, die die Sicht von Millionen prägen. So entstehen aber auch Bücher, quasi Gegenentwürfe zur vorherrschenden Betrachtung, wie die von Nikolaus Jungwirth (Gründungsmitglied von „Titanic“) und Gerhard Kromschröder („Stern“-Korrespondent): „Als der Champagner floss“ ist eine ironisch-entlarvende Nahaufnahme der Alltagskultur der 1980er Jahre – schließlich haben beide Autoren bei „Pardon“ das Satiriker-Handwerk gelernt. Sie zeigen mit Werbeanzeigen, Zeitungsausschnitten und Dokumentarbildern, zwischen welchen Polen die Welt der 80er Jahre liegt: Champagner-Kraut, grell-bunte Swatch-Armbanduhren sowie Millionen von schaurigen, weil in ihrer geometrischen und kunststoff-veredelten Gestaltung alle gleich aussehenden Haustüren.

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