Beobachtungen der Gegenwartskultur und Kulturgeschichte von Markus Thierbach: “Der Mensch ist die Story”
15.Jul.2009

Was Lance Armstrong mit dem Terminator gemein hat – und was nicht

Still-Foto aus Terminator 4

Foto: Verleih

Schwer zu sagen, was man vom Film “Terminator – Die Erlösung” halten soll. Einerseits ist er mit all seinen logischen Brüchen eine grauenhafte Action-Klamotte, die nicht mit wenigstens einer neuen Idee aufwartet, sondern auf Altes zurück greift: Etwa die Metall-Klaue, die beim Showdown erst kurz vor dem Gesicht des Helden zum Stillstand kommt.

Andererseits transportiert der Film den beklemmenden Dauerstreß der Menschen im Jahr 2018. Die Action-Szenen sind zermürbend lang und mit furchterrregenden Tieftönen unterlegt. Abgesehen davon, dass die Menschen dieses Zukunfts-Szenarios nie vor den metallischen Todesbringern sicher sind: Was macht den Terminator so unsympathisch? Und was hat diese Frage mit einem Radrennsportler zu tun?

Weiterlesen »

28.Apr.2009

Moderne Sagen I: Die 80er, das Internet und Viral Marketing

Moderne Sagen sind Erzählungen des Alltags, die von außergewöhnlichen Begebenheiten, Erscheinungen und Vorgängen handeln. Das Typische daran ist, dass sie Verunsicherung des Zuhörers über den Wahrheitsgehalt der Erzählung auslöst. Die Geschichten sind ganz nah im Alltag verankert, was sie glaubhaft macht. Zugleich klingen sie aber so außergewöhnlich, ja fantastisch, dass sie eigentlich nicht wahr sein können.

Hinzu kommt, dass die meisten Erzähler die Geschichten so wiedergeben, als hätten sie sie selbst erlebt. Zumindest aber gibt es einen extrem guten Freund, und dessen Bruder/Mutter/Kollege ist es exakt so passiert, darauf bestehen so gut wie alle Erzähler. Die Spinne in der Jucca-Palme, der verschwindende Anhalter, das China-Restaurant, in dem Rattenfleisch zu Mahlzeiten verarbeitet wird: Oft werden in diesen Erzählungen latente Ängste vor dem Unbekannten, Fremden und Unheimlichen kollektiv bearbeitet.

Weiterlesen »

27.Apr.2009

Das Zeitalter der Künstlichkeit: „Als der Champagner floss“ zeigt die Kultur der 1980er Jahre

Foto: Verlag

Den Zeitgeist aus der Gegenwart heraus zu entziffern ist ein äußerst schwieriges Vorhaben. Es scheitert meistens an der Fülle der Ereignisse und Moden, der Themen und ihren Diskussionen, die die Wahrnehmung dafür vernebeln, was die Trends einer Epoche eigentlich gemeinsam haben. Denn der Zeitgeist ist zwar immer da, wird aber erst in der Rückschau richtig greifbar: Die Eindrücke haben sich gesetzt, die Vielfalt einer Zeit ist nicht mehr ganz so unüberschaubar.

So entstehen Klischees, Schablonen, die die Sicht von Millionen prägen. So entstehen aber auch Bücher, quasi Gegenentwürfe zur vorherrschenden Betrachtung, wie die von Nikolaus Jungwirth (Gründungsmitglied von „Titanic“) und Gerhard Kromschröder („Stern“-Korrespondent): „Als der Champagner floss“ ist eine ironisch-entlarvende Nahaufnahme der Alltagskultur der 1980er Jahre – schließlich haben beide Autoren bei „Pardon“ das Satiriker-Handwerk gelernt. Sie zeigen mit Werbeanzeigen, Zeitungsausschnitten und Dokumentarbildern, zwischen welchen Polen die Welt der 80er Jahre liegt: Champagner-Kraut, grell-bunte Swatch-Armbanduhren sowie Millionen von schaurigen, weil in ihrer geometrischen und kunststoff-veredelten Gestaltung alle gleich aussehenden Haustüren.

Weiterlesen »

This work is licensed under GPL - 2009 | Powered by Wordpress using the theme aav1