Beobachtungen der Gegenwartskultur und Kulturgeschichte von Markus Thierbach: “Der Mensch ist die Story”
27.Apr.2009

Das Zeitalter der Künstlichkeit: „Als der Champagner floss“ zeigt die Kultur der 1980er Jahre

Foto: Verlag

Den Zeitgeist aus der Gegenwart heraus zu entziffern ist ein äußerst schwieriges Vorhaben. Es scheitert meistens an der Fülle der Ereignisse und Moden, der Themen und ihren Diskussionen, die die Wahrnehmung dafür vernebeln, was die Trends einer Epoche eigentlich gemeinsam haben. Denn der Zeitgeist ist zwar immer da, wird aber erst in der Rückschau richtig greifbar: Die Eindrücke haben sich gesetzt, die Vielfalt einer Zeit ist nicht mehr ganz so unüberschaubar.

So entstehen Klischees, Schablonen, die die Sicht von Millionen prägen. So entstehen aber auch Bücher, quasi Gegenentwürfe zur vorherrschenden Betrachtung, wie die von Nikolaus Jungwirth (Gründungsmitglied von „Titanic“) und Gerhard Kromschröder („Stern“-Korrespondent): „Als der Champagner floss“ ist eine ironisch-entlarvende Nahaufnahme der Alltagskultur der 1980er Jahre – schließlich haben beide Autoren bei „Pardon“ das Satiriker-Handwerk gelernt. Sie zeigen mit Werbeanzeigen, Zeitungsausschnitten und Dokumentarbildern, zwischen welchen Polen die Welt der 80er Jahre liegt: Champagner-Kraut, grell-bunte Swatch-Armbanduhren sowie Millionen von schaurigen, weil in ihrer geometrischen und kunststoff-veredelten Gestaltung alle gleich aussehenden Haustüren.

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