Ob bei bayrischen Bettelhochzeiten ein Paar auf dem Misthaufen vermählt wird, ob im niedersächsischen Ganderkesee Zehntausende in ein Örtchen einfallen oder in Bonn selbst die Mitarbeiter einer Burger-Kette verkleidet sind: An Karneval, resp. Fasching, steht die Welt Kopf. Das Fest hat einen religiösen Hintergrund: Es bezieht sich auf Ostern und hängt mit der 40-tägigen Fastenzeit zusammen, die mit dem Aschermittwoch anbricht.
In den sechs Tagen davor wird die göttliche Ordnung nach katholischer Anschauung ad absurdum geführt, die Menschen gehen den weltlichen Ausschweifungen hemmungslos nach – insbesondere dem Alkoholkonsum. In Köln wird auch mit den Geschlechterrollen “op janz kölsche Aat jespielt”, weiß der Kulturwissenschaftler Johannes Arens.
Von Markus Thierbach / Kurier am Sonntag, 11. November 2007
“Es ist so schön, ein Narr zu sein” – so ist die Ganderkeseer Faschingssession überschrieben, die heute am Elften Elften beginnt und am Aschermittwoch endet. Das Motto hätte sich auch eine rheinische Karnevalsgesellschaft geben können. Denn selbst wenn die norddeutschen Narren von Fasching sprechen, haben sie doch vieles vom Karneval übernommen – und mit Lokalkolorit so ausgeprägt, dass Fasching in Ganderkesee zu einem anderen Wort für Heimat geworden ist.