Beobachtungen der Gegenwartskultur und Kulturgeschichte von Markus Thierbach: “Der Mensch ist die Story”
25.Mrz.2010

Standpunkte statt Milieus: 100 Jahre Gesellschaft und wie sie sich gewandelt hat

Zum Beispiel der Schrebergarten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ausgehend von Leipzig ist die Parzelle vor der Stadt das Paradies der Arbeiter, Naherholungsanlage und Gemüsebeet zugleich. Man war unter sich. Und heute? Da grenzt der Garten der Russland-Deutschen an den der türkischen Großfamilie und jungen Akademikerpaare. Die Parzelle hat ihre Spießigkeit verloren. Die Motive, einen Schrebergarten zu mieten, sind verschieden. Aber sollte die Anlage von einem Immobilienprojekt bedroht sein, dann wird aus diesen heterogenen Gruppen sicherlich eine, die für den Erhalt kämpft.

Wolfgang Kaschuba vom Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin beobachtet, wie sich um Vergleich zur Zeit um 1900 heute die Gesellschaft neu organisiert. War den Kulturforschern damals klar, welche Gruppe einer Gesellschaft den relevanten Forschungsbereich darstellen, ist die Frage heute eine andere: Welchen Teil sollen Forscher beobachten um zu Erkenntnissen über das Ganze zu gelangen?

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