Grenzen trennen nicht nur, sie können auch eine Wirtschaftsgrundlage sein. So ist das an der polnischen Grenze zur russischen Enklave Kalinigrad. Auf der russischen Seite sind Zigaretten billiger als auf der polnischen, und manche Kippe findet den Weg bis nach Deutschland. Hierzulande wird der Schmuggel so gut es geht bekämpft. An der Grenze bei Kalinigrad hingegen haben sich Zöllner und Schmuggler miteinander arrangiert. Man kennt einander einfach zu gut.
Mathias Wagner vom Institut für Weltgesellschaft der Universität Bielefeld hat an den drei Grenzstationen Feldforschung betrieben. Er hat das System der Verhaltenscodes am Schlagbaum beobachtet. Sein Fazit: Alles Theater.
Wandern ist in, um genau zu sein: Wandern als Vehikel zur Sinnsuche ist in. Hape Kerkelings Jakobsweg-Tagebuch „Ich bin dann mal weg“ verkauft sich noch immer stapelweise. Schon einmal, vor einhundert Jahren, war die Begeisterung für diese Art der Selbsterfahrung ähnlich groß.
Zu der Zeit hatte ein Lehrer aus dem Sauerland die Idee, ein Netzwerk von Jugendherbergen aufzubauen. Richard Schirrmann war damit im August 1909 am Puls seiner Zeit – und sog eine Subkultur auf.
Der Mensch war schon immer mobil: Als Jäger und Sammler durchstreifte er die Natur auf der Suche nach Nahrung. Er brach auf zu Seereisen, um seinen Horizont zu erweitern, und das in mehrfacher Hinsicht: Denn in der Ferne fand sich nicht nur neues Land (etwa für die Europäer in Amerika), sondern auch neue Gesellschaften und damit Kulturen.
Ja, unsere Vorfahren waren schon mobil. Aber hatten sie auch Bewegungsfreiheit in ihren Gesellschaften? Und welchen Spielraum haben Menschen im Zeitalter der Mobilität? Silke Göttsch-Elten vom Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Universität Kiel hat beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 2009 das Themenfeld umrissen.
Sie leben mitunter seit Jahren im Ausland und sind dort für Unternehmen tätig. Doch so richtig kommen sie meistens in der Kultur des Gastlandes nicht an. Die deutsche Heimat bleibt der Ort der Sehnsucht, China oder Brazilien fremd und mitunter bedrohlich.
Florian von Dobeneck und Sabine Zinn-Thomas vom Institut für Volkskunde an der Universität Freiburg haben die Lebenswelt ausgesandter Mitarbeiter in Sao Paulo und Shanghai untersucht. Das Interview ist im Rahmen der Tagung www.europa-in-bewegung.de entstanden.